Gerechtigkeit und Schokolade

 Letzte Woche hatte ich im Wahlkreisbüro Besuch von einem Schüler, der für ein Referat über die PIRATEN recherchierte. Er fragte mich „Die PIRATEN wollen doch alles anders machen. Was ist denn jetzt konkret der Unterschied zur Politik der anderen Parteien?“

Brav hab ich dann die ganze Litanei runter gebetet:

 

Im Nachhinein war ich aber mit dieser schieren Aufzählung unzufrieden und stand selbst vor den beliebten Frage „Was ist denn nun der Kern / der rote Faden in diesem Sammelsurium von Positionen? Was hält die Piraten mit all den unterschiedlichen Themen, die sie vertreten, im Innersten zusammen?

Was ist piratige Politik?

Ich habe dann erst einmal „Grundlagenforschung“ betrieben und nachgeschlagen, was man überhaupt unter Politik versteht.

Laut Wikipedia hat sich in der Politikwissenschaft  allgemein die Überzeugung durchgesetzt, dass Politik „die Gesamtheit aller Interaktionen definiert, die auf die autoritative [durch eine anerkannte Gewalt allgemein verbindliche] Verteilung von Werten [materielle wie Geld oder nicht-materielle wie Demokratie] abzielen“.

Zunächst hat mich diese sehr knappe Definition etwas irritiert. Im Grunde genommen lässt es sich aber wirklich auf diese einfache Formel herunterbrechen.

Es geht tatsächlich nur um die Verteilung von

 

Die Wertvorstellungen, die als Leitlinien diesen politischen Interaktionen zugrunde liegen, sind durchaus unterschiedlich.

Das was enttäuschte politisch engagierte Menschen aus den verschiedensten Lagern, sowie frustrierte Nicht- oder Protestwähler zu den PIRATEN getrieben und zusammengeschweißt hat, ist das Gefühl der Unzufriedenheit und ein Empfinden von Ungerechtigkeit mit den Verteilungsmethoden der „etablierten“ Parteien.

Was aber machen die anderen denn nun konkret verkehrt und was ist dagegen der ganz andere Ansatz der PIRATEN?

Hier kommt nun mit einer kleinen Parabel die vom geneigten Leser sicher schon lang ersehnte Schokolade in’s Spiel:

Man stelle sich vor, Nachbars Kinder – sagen wir mal 5 und 9 Jahre alt – stehen vor der Tür. Sie wollen einen kurzen Besuch abstatten, weil sie genau wissen, dass sie meist was zu Naschen abstauben können. Nach artiger Konversation schreitet der Herr des Hauses an den Schrank mit seinen Süssigkeitsvorräten und findet nach kurzer Suche eine Tafel Schokolade.

Den weiteren Verlauf der Geschichte mache ich jetzt mal vom unterschiedlichen Gerechtigkeitsverständnis anhand der parteipolitischen Ausrichtung abhängig:

  • SPD:

Der Hausherr drückt den beiden Kindern die Tafel in die Hand und sagt: „Aber schön teilen!“ bevor er sie freundlich zur Tür begleitet.

  • CDU:

Der Hausherr teilt die Tafel so, dass das jüngere Kind ein kleineres Stück abbekommt, „weil das andere ja viel größer ist und mehr braucht um satt zu werden“.

  • Grüne:

Der Hausherr legt die Tafel zurück in den Schrank und erklärt den Kindern, dass Naschen total ungesund ist.

  • FDP:

Die Tafel bleibt auch hier im Schrank – mit der Begründung, dass er die extra für seine eigenen Enkel gekauft hat. Außerdem wäre das die teure dunkle Schokolade mit 85% Kakao, die die Kinder weder mögen würden, noch sie zu schätzen wüssten.

Noch jemanden vergessen? Ach ja,…

  • Linke:

„Sorry, ich würde euch ja den kompletten Inhalt überlassen, aber meine Frau ist gerade beim SPD-Stammtisch und hat den Schrank abgeschlossen – ich komm da einfach nicht dran…“ :-b

 All diese verschiedenen Varianten im Mittelteil lassen die Kinder am Ende mehr oder weniger unzufrieden zurück.
In den ersten beiden Fällen muss der großzügige Spender zudem noch mit anhören,  wie die Kinder sich im Hausflur anfangen zu streiten, weil der ältere keine Schokolade mag, aber aus Prinzip nicht bereit ist zugunsten des Anderen auf seinen Anteil zu verzichten. „Undankbare Gören!“, denkt er sich…

Der PIRATEN-Ansatz wäre dagegen:

„Kinder, kommt mal gucken! Das hier habe ich zur Auswahl. Jeder darf sich etwas aussuchen, das er mag und dann ab nach draußen – ich muss noch ’ne Runde WOW zocken!“

> Kinder glücklich, kein Neid und ’ne Menge Stress gespart!

Macht die politischen Schranktüren auf und lasst die Bürger selbst sehen und entscheiden, was sie am liebsten hätten!
Wenn kein Weingummi da ist, sind Saure Drops für den einen und Erdnüsse für den anderen vielleicht immer noch besser als Schokolade für alle (auch wenn man selbst Schokolade als Kind am liebsten hatte).
Man muss die Karten auf den Tisch legen, die Bürger nach ihren Bedürfnissen fragen und transparent an den Entscheidungsprozessen teilnehmen lassen.

Dann fühlen sich die Menschen auch wieder von der Politik ernst genommen.

Dann werden sich die Menschen auch wieder mehr beteiligen wollen.

Dann werden Einschnitte auch nachvollziehbarer und bekommen mehr Akzeptanz.

Dann werden sich die Menschen besser mit den getroffenen Entscheidungen identifizieren können.

Dann wird Politik als gerechter empfunden!

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Published on: Februar 4, 2013

 Comments (1) 

  1. eva sagt:

    sehr treffend und leicht verständlich erklärt. super und weiter so verständlich bleiben

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